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- 30. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
"Go Boomer Go!" heißt das Debut von Post, den Pilgervätern des österreichischen New Wave und Punkrock
Warnung: Alte, weiße Männer! Die älteren unter uns kennen die Wiener Punk- und New-Wave-Haudegen noch aus den 70er-Jahren, als sie in legendären Formationen wie etwa Chuzpe daran beteiligt waren, der österreichischen Musikszene aus den Windeln zu helfen, um sie dann später mitzuprägen. Der Kurier schrieb 1982, dass Chuzpe, „Wiens schrägste Band, […] dem New Wave in Österreich zum Durchbruch“ verholfen habe. Rainer Krispel (7Sioux), Robert Wolf (Chuzpe), Christian Unger (Willi Warma) und Tom Niesner (Schweine im Weltall) haben sich nun zu einer Art All-Star-Truppe aus jenen Anfängen unter dem Bandnamen Post versammelt. „Go Boomer Go!“ ist jedoch kein parodontöser Wir-Wollen-Es-Nochmal-Wissen-Schmafu, kein verjugendlichter Zeitgeist-Nonsense bei dem am Schluss die Oma rappt. Es klingt auch nicht wie früher, im Sinne eines nostalgisch herbeigesehnten Revivals einer guten alten Zeit. Dieses Debut ist rasiermesserscharf in seinen politischen Statements, räudig in seiner Gegenrede und ätzend ist die Beschimpfung der „g’rissanen Beflissenen“. Das Wortmaterial ist so böse wie gewieft und unterhaltsam. Die Stacheln an den Texten dringen tief. In spitzen Paarreimen ringen dort Ironie und Vorschlaghammer mit akuter Ignoranz und dunkler Aufklärung. Ein bisschen Gonzo, ein bisschen Amok ist das allemal. Vor allem aber ist es aktuell und relevant.
Rebellenpoetik
Stilgebende Wahlverwandtschaft findet sich unter anderem in der turbulenten Wucht von The Clash, im sozialkritischen Zorn eines Sigi Maron oder man hat die musikalisch-metaphorische Tschick von Dr. Feelgood in der Pappn. Zwischen rasantem Hihspeed-Shuffle, kratzbürstigen, direkt in die Gitarrenhälse gebohrten Riffs, verspielten Soli und dem traditionellen Punk-Staccato entstand hier ein Album, das gerade wegen seiner abgeschabten Tonalität in die Vollen greift. Reduziert und kompakt ist die Produktion. Die Ausführung ist auf dem Punkt, das Songwriting zeitlos, die Arrangements schnörkellos. Schließlich Krispels Gesang, der mit roher Renitenz und rebellischer Poetik die Dringlichkeit und Authentizität dieser Aufnahmen unterstreicht. Intoniert wird im Wiener Grant oder im Düsseldorfer Punkrock-Deutsch. Die Realität, gegen die er ansingt, ist meist ungeschönt. Hinter dieser Wut indes verbirgt sich, wie bei Maron schon, Solidarität für die von unserer Gesellschaft im Stich gelassenen. „Die Armen bleim über, wenn die Reichn si schleichen.“
Gesellschaftspolitisches Tacheles
Generationenkonflikte hingegen werden mit Humor statt Verbitterung aufgerollt. „Wir san Schuld, wenn boid des Ende naht. Wir san Schuld, wenn si beim Einkaufswagl a Radl ned draht.“ Zu schade für Selbstironie ist man sich auch nicht. „Die neiche Hüftn zwickt wie wüd. Im Spiegel, des is ned mei Büd.“ Oder: Punkrock als Kunsthandwerk im Dienste des Songs und seiner Message. Das musikalische Energielevel der Protagonisten ist derweil hochfrequent und hat seit den Anfängen um nichts eingebüßt, während man dem Wahnsinn unserer Zeit – genau wie einst - mit künstlerischem Wiederstand und ruppigem Schmäh begegnet. Resümierend ist festzuhalten, dass Post und ihr Erstling richtig viel Freude bereiten. Denn ein wenig überraschend ist das alles schon; oder zumindest nicht selbstverständlich: Diese Herren klingen heute besser denn je. Kompromisslos und fest im Geiste einer Bewegung, die sich mit diesem Update - dessen kritische Inhalte notgedrungen fast dieselben wie damals sind - genau darum wieder zu Wort meldet. Post, das ist gesellschaftspolitisches Tacheles statt glattkomponierter Empörungsökonomie. Post, das sind keine Konsensakrobaten. „Go Boomer Go!“ – das ist Klartext, von dem es viel mehr bräuchte. Und so werden diese vermeintlich letzten Lieder – ganz im Sinne eines gar nicht so alten Chuzpe-Songs - hoffentlich die ersten dieser Band sein. Das Album erscheint am 10. April bei Voller Sound.









