Defy, recover und in der Stimme das Morgenrot
- 13. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
MAIIJA veröffentlicht mit „What if“ ein gefühlvolles Glanzlicht des österreichischen Indie Pop
Musikerin, Sängerin und Komponistin Marilies Jagsch prägt seit über 15 Jahren die Wiener Musikszene mit. Nach zwei frühen Soloalben macht sie seit 2023 vermehrt Musik im Kollektiv und hat sich mit Produzent Peter Paul Aufreiter, diversen Studiogästen und Live Band auf ein Packl gehauen, das sie MAIIJA nennt und mit dem sie nun ihr zweites Album veröffentlicht.
„What if“ – Was wäre wenn? Diese Frage haben sich die meisten schon gestellt. Ihr Potential ist so dunkel wie erbauend. Die Antworten darauf will man oft lieber gar nicht wissen oder man träumt sie mit einem Lächeln auf den Lippen und Feenstaub im Ohr. Jagschs Musik mäandert durch das Großflächige dieses existentiellen Gedankens wie ein Fluss durch eine Landschaft. Und wenn aus dem Nebel das Ufer erscheint, so findet sich dort vielleicht die Antwort auf die eingangs gestellte Frage.
Ein Sanfter Riese
Mit zitterndem Schmerz und einem glimmernden Morgenrot in ihrer Stimme gelingt Jagsch auf „What if“ eine ätherische Gesangsperformance, die man fast versucht ist festzuhalten, bevor sie sich himmelwärts verflüchtigt. Die feinstofflichen Melodien und die lichten Gitarren schweben dabei über der Instrumentierung der gedrosselten Indie-Combo, die im experimentellen Feld der Popmusik unter anderem das Cello oder die Trompete bedient.
Das Songwriting besitzt eine erstaunliche Intensität, die nur aus dem tiefen Inneren der Künstlerin kommen kann. Die Arrangements fügen sich wie natürlich in diese subtile Kunst des musikalischen Erzählens ein. Jagschs Texte indes sind von einer veristischen Kraft, die, wie die klangliche Poetik auf diesem Album, das Vulnerable erkunden. Mutig erzählen sie von Krankheit und Ängsten aber auch von Vertrauen, Widerstand und Stärke. Die Single „Recover“ handelt von ihrem langen Weg mit der chronischen Krankheit Endometriose. Mit dem Song „Defy“ rechnet sie mit der Hybris sexistischer Macho-Bübchen ab. „What if“ ist ein sanfter Riese, eine intime und substanzielle Reflexion über die Etappen eines Lebens, ein Muss für alle Fans des anspruchsvollen Indie Pop.









