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Zwischen FM4 und RTL Zwei: Im Puppenhauspop ist für alle etwas dabei

  • 28. März
  • 2 Min. Lesezeit

Das Wiener Popduo tauchen veröffentlicht mit ihrem Debut „Alles“ Indiepop für die Vielen


Bunt gestrichen ist das Puppenhaus, welches das Wiener Popduo tauchen (Eva-Maria Kehrer und Marten Kaffke) auf ihrem Debutalbum „Alles“ gebaut hat. Und antiseptisch ist die Soundästhetik des deutschsprachigen Synthpop dort. „Alles“ ist ein bisschen lieb. Den Zeitgeist lutscht man aus dem Eis im gleichnamigen Track dazu - wahrscheinlich in Caorle. Denn alles ist easy, alles ist nice. Die Neue Deutsche Welle hallt im oberen Geschoß, während man im Keller zwei, drei Mal mit launigen Gitarrenriffs die Punkidylle der 90er-Jahre paraphrasiert. Dazwischen verspielte Lesarten eines lakonischen Indiepop oder klischeehafte Referenzen einer Hitradio-Schmonzette. Es scheint, der popkulturelle Aktionsradius soll ein möglichst breites Publikum umfassen. Schließlich wollen die coolen Festivals bespielt werden. Man positioniert sich. Die größte Erkenntnis auf diesem Album ist aber sicher das beachtliche Repertoire, das für all diesen musikalischen Ehrgeiz vorhanden ist. Die Synth-Hooks sind markant. Bass und Schlagzeug laden zum Hinternwackeln ein. Die Gitarren-Arrangements sind reduziert und glasklar. Kehrers Gesang hat hohen Wiedererkennungswert und ihre Intonation ist in perfektem hannoverschen Fernsehdeutsch gehalten - also eh wie am BORG Hegelgasse oder mit Schulranzen am Rücken in den Wiener Öffis. Die Melodien sind mitreißend. Das Songwriting ist pointiert. Die Exekution präzise und maschinengeil.


Das Banale und die großen Gesten

Und im Puppenhauspop hat jeder Raum seine eigene Farbe. Nachdenklich, hedonistisch, die Weltlage sollte man noch erwähnt haben und auch das Herz tut mal weh. Das Handwerk der Banalität und die großen Gesten beherrschen tauchen dabei vorzüglich. Textlich verhandelt man das Poetische im Alltag oder das Überwältigende in Liebe und Freundschaft. Musikalische Innovation hingegen findet man trotz kompositorischer Finesse und breit aufgestelltem Genrespektrum leider selten. Man hat das alles schon an anderen Stellen gehört. Der Parforceritt durch den zeitgenössischen Indiepop hat etwas Konstruiertes an sich, bleibt aber legitim, weil man es kann. Vielen wird dieses Debut, das irgendwo zwischen FM4 und RTL Zwei auf Reichweite pocht und dabei Authentizität einbüßt, gefallen. "Alles" von tauchen erscheint am 13. März bei Sad Wellness Records.




 
 
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