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Elektrisierend und anbiedernd: Die negative Dialektik der Popmusik

  • 19. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Kobrakasino veröffentlichen ihr zweites Studioalbum. „Alarm für Kobrakasino“ ist ein zweischneidiges Schwert


Kobrakasino sind drei wunderschöne Engel, welche die steirische Popgöttin direkt aus dem Äther unter die Discokugel geatmet hat. Auf „Alarm für Kobrakasino” spielt´s hochemotionalen Elementarteilchen-Pop, weil hier Gedanken und Töne um die elementaren Dinge im Alltäglichen kreisen und die zur Verhandlung feilgebotenen thematischen Schwerpunkte wie Sehnsucht, Leistungsdruck und Beziehungskisten mit einer musikalischen Zuckerglasur übergossen wurden, dass selbst der ärgste Kostverächter ein bissl schnabulieren will.

Das zweite Studioalbum der Grazer und nunmehrigen Wahlwiener wird im eigenen Label quasi selbstverlegt und bezirzt die Basalganglien eines jeden Tanzbereiten zum einen und umflort das melancholische Potential der Nachdenklichen zum anderen, während der verführerisch-milde Gesang unseren Ohren schmeichelt und die pulsierenden Beats das Album bisweilen ordentlich in die Kurve schlenzt. Die Arrangements sind dabei klar, licht, fast glänzend. Das Songwriting ist eingängig. Ein Paradebeispiel hierfür ist die elektrisierende Nummer „Das Herz von meinem Chef.“


Fresh!

Und doch klingt dieser Pop, als hätte man ihn bei Zalando bestellt Die äußerst geschickt arrangierte Song-Melange oszilliert irgendwo zwischen Synth-Pop, NDW-Romantik und fetzigen Indie-Riffs. Also eh dort, wo grad alle in der besonders coolen Pop-Nische oszillieren. Und weil dort die Hoffnung zu trenden wohnt, klingt diese Platte auch sehr nach Lifestyle, Anbiederung und Algorithmus anstatt nach künstlerischer Initiative und musikalischer Innovation.. Aus der Zentrale heißt es zudem, man habe das alles mit einer Indiesleaze-Ästhetik angereichert. Fresh! Aber für die Musik irrelevant.

Wenn sich also deutschsprachiger Pop anhört, als hätte man sie bei Zalando bestellt, ist der Verdacht des schnöden Productplacements nicht ganz von der Hand zu weisen. Das mindert zwar die künstlerische Glaubwürdigkeit, nicht aber zwangsläufig die Qualität des Dargebotenen und muss beim Schunkeln nicht stören. Sehr gut gemacht ist „Alarm für Kobrakasino” allemal. Ob das Trio langfristig die Aufmerksamkeit der Konsumenten erreicht, wird sich zeigen. Denn Trends sind noch immer so schnell gegangen, wie sie gekommen sind. Oder etwa doch nicht? Oder sind Kobrakasino eine negativen Dialektik der Popmusik? "Alarm für Kobrakasino" von Kobrakasino erscheint am 12. Juni bei Sirene Records.




 
 
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