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Kunscht und komische Geräusche aus Heinrichs Sägewerk

  • tobiasnatter1
  • 24. März 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Mai 2024

Rosi Spezial, die Freejazzpopmusikkapelle aus Vorarlberg, experimentiert im Notendickicht des Psychedelic-Jazz. Eigentümliches trifft auf musikalische Kapazität.


Mit „Frei Jass“, der ersten Extravaganz auf KATZA JAZZ, wird jene Sorte fiebriger Unrast frei, mit der Pollok seine Gemälde gemalt oder Burroughs die cut-up-Technik angewandt hat. Der elfminütige Rauschzustand ist aber – wie der Rest des Albums - mit viel Humor und einem „Saxophönle“ ausgestattet. Warum? „Weil das Sägewerk vom Heinrich seit dem frühen Morgen um halb Sechs ein komisches Geräusch macht.“ Oder anders ausgedrückt: Rosi Spezial manövrieren jenseits der Pop-Norm.

 

Wäre KATZA JAZZ ein Museum, so wäre „Frei Jass“ jene Klanginstallation gleich beim Eingang links, welche den Gästen ein Fragezeichen in die Stirn graviert und zum Weitergehen drängt. Psychedelic-Jazz ist nichts für Kulturtouristen. Auf „Hundeholz“ geht es danach gleichermaßen arty und doch ganz anders weiter.

Andersartyg also stampft der Beat stramm zur gewürgten Gitarre. Hörspielelemente ergänzen die Darbietung. Der Furor kennt nur ein Ziel: Die tonale Vernichtung von Hundeholz. In zwei Minuten ist alles gesagt. Erzählt wird auf Vorarlbergisch. Hinter dem Arlberg scheint somit der Exotenbonus fix. Aufgrund kompositorischer Eskapaden und instrumentaler Finessen sicher auch davor.

 

Well played, Rosi Spezial!

„Ratzaköpfle“ erstreckt sich dann über 10 Minuten, entwickelt sich vom sphärischen Erlebnis zur rhythmischen Extase: Repetitiv, etwas unheimlich und für Freigeister wahrscheinlich zum Robot Dance geeignet. „Sure Kätzle“ beginnt mit einer falschen Fährte, auf die wir gelockt werden sollen. Das hell klingende, wunderbar poppige Gitarrenriff wird vor seiner Entfaltung abrupt abgeschnitten und von einer avantgardistischen Dampfwalze überrollt, die der Nummer jegliches Hitpotenzial nehmen soll. Purer Sarkasmus.

 

Die Falle schnappt erbarmungslos zu. Die Enttäuschung, der Band auf den Leim gegangen zu sein, ist genau so groß, wie die zerstörte Hoffnung auf ein lauwarmes Poplied zur Entspannung zwischen den virtuosen Finten auf diesem Album. Well played, Rosi Spezial! Auf „In Walked Evi“ erlebt man zum Schluss noch einmal das freie Improvisieren der vier Katzaköpf aus dem Ländle.

KATZA JAZZ ist frisch, wild und mit alemannischer Komik versetzt. Ein Katzeklo wurde zwar schon einmal ins Zentrum der deutschsprachigen Populärmusik gerückt, im vorliegenden Fall jedoch, wird das öffentliche Interesse vorhersehbar an der Peripherie der Popkultur hängen bleiben. Der Klamauk ist absurder. Die Arrangements versatiler. Die Songarchitektur ist nonkonformistisch. Das Mollgebäude hat Schieflage und passt so nicht ins normierte Ortsbild der Hitparaden. Mit Rosi Spezial pflügt gerade eine aufregende Band durch Österreichs Musiklandschaft. Das Album erscheint am 29. September beim Label Voller Sound.





 
 
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