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Erinnerungen, choreographiert auf die Bühne gezaubert

  • tobiasnatter1
  • 24. März 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Im Odeon verzaubert ein experimentierfreudiger „Salto Vitale“. Er erzählt von der fünfzigjährigen Historie des Serapions Ensembles. Ein spektakuläres Potpourri aus vergangenen Inszenierungen berichtet über individuelle Perspektiven und wird dabei zur kollektiven Erinnerung gemeinsamer (Bühnen-)Abenteuer.


Vorhang auf: Figuren verschmelzen im behaglichen Halbdunkel eines Traumes mit den Kulissen. Später tanzen, stolzieren, flüchten und schweben sie wie aufgescheuchte Schatten aus einer vergangenen Zeit über die knarzende Bühne. Die Produktion des Serapions Ensemble unter der Leitung von Max Kaufmann und Mario Mattiazzo sprüht vor euphorischen Eindrücken. Persönliche Erinnerungen erfahren ihren Ausdruck in rastloser Körperlichkeit, finden zu einander und vermengen sich im Menschenknäuel zum gemeinsamen Erlebnis. Wortkarg doch von emotionaler Musikalität getragen, wird hier nicht nur die Geschichte eines Theaters erzählt, ein Statement gegen den Zeitgeist nimmt seinen Lauf. Das Individuelle findet das Kollektive. Die subjektiven Erinnerungen der Mitglieder des Ensembles vermengen sich mit den gemeinsamen Erfahrungen. Bewegten Traumbildern gleich gelangt Vages aus der Vergangenheit an die Oberfläche, wird dekonstruiert und weiterentwickelt, originäre Geschichten werden neugeboren.


Die Erfahrung der Gemeinschaft

Die Frage, die indes im Raum steht, ist jene nach unseren Entscheidungen und deren Auswirkungen auf unsere Gemeinschaft. „Salto Vitale“ erzählt von Einsamkeit, Eifersucht und Wut. Aber auch vom Glück, von Gemeinsamkeit und Zuversicht. Mit dem Blick auf sich selbst – er ist gleichzeitig auch der Blick durchs Brennglas auf eine widersprüchliche Gesellschaft, die sich gerne über Abgrenzung zum Anderen definiert aber auch Solidarität lebt - versucht das Ensemble eine Entscheidung für sich zu finden. Und diese beruht nicht zuletzt auf gemeinsamen Erfahrungen, welche das Verständnis für die Anderen lehrt. Diese Erkenntnis führt schlussendlich zum Bedürfnis, die abenteuerliche Reise des (künstlerischen) Lebens gemeinsam zu bestreiten. Was dem Theaterensemble mit Tanz, Schauspiel, und choreographierter Kampfkunst gelingt, dürfte in einer gespaltenen Welt außerhalb des Odeons nicht so bald gelingen. Mit einer Prise Humor und unter euphorischem Applaus hebt am Ende aber doch das Flugzeug in eine bessere Zukunft ab.

       

Erinnerungen an das Leben

Assoziativ präsentiert sich auch die szenische Umsetzung. Sie ergießt sich eineinhalb Stunden lang über Schauspieler und Imagination des Publikums. Darsteller und Bühnenbild vermengen sich, werden eins. Traumhafte Bilder künden von fantastischen Landschaft und Begegnungen. Max Kaufmann kreiert im Odeon im wörtlichen Sinn bewegende Momente. Die Atmosphäre ist elektrisch, es knistert in allen Ecken - auf und hinter der Bühne - wenn die Darsteller in die Wellen des Meeres tauchen oder sich im Wald verirren. Dem immersiven Reigen sind keine Grenzen gesetzt. Die musikalische Untermalung funktioniert und komplementiert die Inszenierung. Tribalistisches Trommeln, Tango oder schrille E-Gitarren sorgen auch akustisch für ein packendes Erlebnis. „Salto Vitale“ sind facettenreiche Erinnerungen an das Leben. Mit der Tonalität des magischen Realismus gelingt eine fast schon märchenhafte Reise in die Vergangenheit eines Theaterensembles und dessen Protagonisten, die auch als Spiegelbild unserer Gesellschaft funktioniert. „Salto Vitale“ wird noch bis zum 9. Mai im Odeon aufgeführt.




 
 
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