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Am Anfang einer Mutter: Zwischen Euphorie und Kapitulation

  • 28. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. März

Uraufführung: Das TEATA gastiert mit „Lebenswerk. Über das Mutterwerden“ im Theater Nestroyhof Hamakom


Der autobiografische Aufreger „Lebenswerk“ der britischen Autorin Rachel Cusks erzählt aus ihren ersten Jahren als Mutter und ist die entwaffnend unverblümte Beschreibung eines dreidimensionalen Ausnahmezustandes. Mental, physisch und sozial durchlebt sie die Folgen der Entscheidung für ihre Fortpflanzung als existenzielle Brandrodung. Ängste, alltägliche Banalitäten, gesellschaftlicher Druck, Erwartungen von innen und außen, Rollenbilder und der Kampf mit sich selbst und den Umständen: Die Worte, die Cusk für etwas findet, das nur schwer in Worte zu fassen ist, sind von gnadenloser Direktheit und sowohl mit liebevollem Humor als auch mit spitzen Kanten versehen.


Die Zentrifugalkraft um die mittlere Katastrophe

Ruth Mensah (Bühnenfassung, Regie) greift für die Uraufführung im Theater Nestroyhof Hamakom nicht nur auf diesen Text zurück. Für die Bühne inszeniert sie ein Dreipersonenstück, dessen vibrierende Sprache das Konzentrat Cusks literarischer Elegie auf das Mutterwerden ist und am Ende in poetischer Euphonie Versöhnung damit findet. Mensah entwirft eine Art unheilige Dreifaltigkeit, die sich als Mutterbaby - so nennt Cusk das hybride Wesen, das sie geworden war - in nichtlinearen Sprüngen durch die Zeit dieses Anfangs bewegt. Die Kraft, mit der die Darstellerinnen (Michèle Rohrbach, Birgit Stöger, Jeanne Werner) – sie alle nehmen die Ich-Perspektive ein – sprechen, lieben und verzweifeln, ist atemberaubend. Das Trio überzeugt mit einem bebenden Akt der Schauspielkunst. Mit ihrer nahezu überschwänglichen Lust an der Darstellung dieser mittleren Katastrophe am Beginn eines jeden Lebens, wird die Inszenierung zu einem erbarmungslosen Theaterfest zwischen Euphorie und Kapitulation. Wie eine Zentrifuge kreist das grandiose Ensemble um dieses erste gemeinsame Lebensjahre von Mutter und Baby. Zum Brüllen komisch, zum Rean dramatisch. Schauen Sie sich das an!


© Apollonia Theresa Bitzan, Eva Beresin
© Apollonia Theresa Bitzan, Eva Beresin

 
 
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