Sonore Routine am Freitag, den 13.
- tobiasnatter1
- 7. Nov. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Die steirische Band The Base bringen ihr neues Album „It's All Going South“ an einem Freitag, den 13. zur Veröffentlichung. Hat das Datum etwas mit dem Inhalt zu tun?
„Everything goes to hell”, das ist die Richtung, in die der Vektor gleich zu Beginn ausschlägt. Polternd geht es auf der ersten Nummer („High Time For Panicking“) gemäß Titel und Zeitgeist den Bach hinunter. Tribalistisch stampft das Intro mit der Hufe, als poche der Leibhaftige persönlich an die Tür. Dann wird der Indie-Rock von der Leine gelassen. Rasant und verzerrt, bis kurz vor dem Kipppunkt, galoppieren wir unserem Fatum entgegen. Wenn das der Soundtrack zur zivilisatorischen Verwitterung sein soll, wird unser Niedergang geschmackvoll begleitet werden.
Das Grazer Trio navigiert derweil mit Stilsicherheit und Souveränität durch ein Dickicht der Emotionen. Die oft wohldosierte Instrumentalisierung garantiert dabei ein atmungsaktives Hörerlebnis. Jeder Ton hat Platz, nichts steht sich im Weg. Der dunkle Gesang mit dem Timbre einer Marlboro-Schachtel, die variantenreichen Gitarrensounds, der schwingende Bass und das präzise Schlagzeug greifen in einander und werden zur auralen Einheit, während sie nun in die Felder des Indie-Folks vordringen. Hier eine Hammondorgel aus dem Off, da sinistere Chöre aus der Tiefe - sorgfältig platzierte Elemente runden das fein geschliffene Menetekel ab. Verlangt ein Plot nach mehr Volumen, bekommt er dieses in Form verdichteter Klangflächen und gesteigerter Lautstärke. The Base behandeln ihre Preziosen gut. Die Arrangements sind intelligent. Sublim und doch organisch produziert, strahlt der Longplayer Klasse aus, wenn er zum Beispiel im feinen Anzug die Discokugel schwingt („Shoot It Up“), den Funk der Toten zelebriert („Dead People s Music“) oder in melancholischer Ästhetik zu grübeln beginnt („Where You Wanna Be“). Die sonore Routine der Band, die mal zart, mal aufwühlend Geschichten erzählt, manifestiert sich sowohl in lyrischer als auch musikalischer Substanz. Zu hören auf der bereits veröffentlichten Single „Waiting For June“.
Zeit und Integrität
Gewartet haben sie mitunter lange. 1989 gegründet, konnte die Band erst 1996 ihren ersten Release verbuchen. Dreieinhalb Jahrzehnte künstlerischen Schaffens haben The Base indes zu einer Konstante in Österreichs Musiklandschaft gemacht. Seit dem wurden 15 Alben veröffentlicht, Preise gewonnen, mit dem Jazz Orchester Steiermark zusammengearbeitet, Film- und Theatermusik komponiert sowie vertont, im Burgtheater und der Spanischen Hofreitschule kredenzt oder bei einem Live-Recording die „schnellste CD aller Zeiten“ produziert. Die Zeit sowie das in ihr Erarbeitete haben dieser Band und ihrer Musik eine rustikale Weisheit und eine essenzielle Tiefe verliehen.
Ihre künstlerische Integrität ist in der üppigen Atmosphäre der Erzählstücke auf „It's All Going South“ jedenfalls zu hören und zu spüren. Sie sind mit Facetten des Alternative Country, des (Neo)Folk und des Blues angereichert - bis dann, auf der letzten Nummer, in gemächlichem Trott ein betörendes Machwerk mit sanft gezupfter Akustikgitarre und schwermütigem Cello seinem Ende entgegengeht („Watching The Fools Pass By“). Und so kommt es, dass auf “It's All Going South” hörenswerte Songs - nachdenklich und doch lebendig - von gereifter Musikalität zu entdecken sind, deren düstere Schönheit auch im Nachdenken über die Vulnerabilität einer Gesellschaft sowie ihrer Menschen liegt, ohne dabei gelegentlich auf ein Augenzwinkern zu verzichten.
Das Album erscheint am Freitag, den 13. September 2024, auf dem Wiener Label konkord.









