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Der Wurstkessel und die Larmoyanz

  • tobiasnatter1
  • 11. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Sept. 2025

Das musikalische Netzwerk Alles Exhausted veröffentlicht mit ihrem selbstbetitelten Debüt ein Album, das ziemlich erschöpft


Mit lallendem Ostinato schwelgt dort der Shoegaze-Sound eines postmodernen Fin de Siècle in tropfender Belanglosigkeit. Das Geschmachte hinter den Gesangsmikrophonen ist der Art einerlei, es kommt einem moribunden Gähnen gleich. Was die meisten wissen und kaum jemand sagt: Die junge Wiener Indie-Szene plantscht zu oft im eigenen Wurstkesselwasser. Wenig Neues kommt von dort. Da bildet auch das Distinktionsgetue, das im idiosynkratischen Selbstzweck versiegt, keine Ausnahme. Die Musik dazu ist substanzlose Redundanz für die popkulturelle Nische, ein Vehikel für die Selbstinszenierung einer Szene, die sich ein klein wenig zu toll findet. Und so klingt „Alles Exhausted“ ganz deterministisch nach der Larmoyanz einer etwas distanzierten Generation, deren Erschöpfung brav den Zeitgeist der angepeilten, etwas abgespannten Zielgruppe bestätigt. Dies bleibt im Übrigen das einzige Motiv dieser Aufnahme, das angesichts der wohlstandsdegenerierten Zustände unserer Gesellschaft nachvollziehbar ist. Obschon dieser Schmerz nicht von künstlerischer Integrität, geschweige denn von intellektuellem Anspruch gespeist wird. Er präsentiert sich im Gegenteil bequem.


Das löchrige Hemd

Das Schlagzeug tönt indes nach einem blechernen Zerwürfnis. Der Bass irrt durch das Lied, anstatt es zu tragen. Manchmal darf der Synthesizer mitspielen, stolpert aber über das wackelige Songgerüst. Die Gitarre kaschiert mit enervierendem Wiehern die Makulatur und inhaltliche Leere dieser Kolportage, deren weinerliche Ästhetik zu erwarten war und deshalb zum Pathos verkommt sowie austauschbar und verbraucht wie ein löchriges Hemd aus den 80er--Jahren wirkt. Das musikalische Formenprinzip derweil, soll einfach sein. Es hilft jedoch nur selten, wenn durch das beliebte Stilmittel der Reduktion weder textlich (man hat „Genug von Vampiren“) noch klanglich kaum Essenzielles zum Vorschein tritt. So bleibt in der Tat alles ziemlich exhausting und das deplorable Missverständnis von einem Album erinnert bis zum Ende an Tellwolle auf der Haut. „Alles Exhausted“ von Alles Exhausted erscheint am 05. September bei Siluh Records.


 (Foto: Rosa Knecht)
 (Foto: Rosa Knecht)

 
 
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